Bava Batra 24

Kapitel 24

א משמיה דר' עקיבא בר יוסף כוותיה אמר רב אשי ומאי קושיא דלמא להא מילתא בר מזליה הוא
1 und dasselbe wird auch im Namen des R. A͑qiba b. Joseph gesagt. R. Aši entgegnete: Was beweist dies denn, vielleicht sind sie in dieser Sache Kinder desselben Geschickes!?
ב אלא אמר רב אשי תדע דאמר גברא רבה מילתא ומתאמרא הלכה למשה מסיני כוותיה ודלמא כסומא בארובה ולאו טעם יהיב
2 Vielmehr, sagte R. Aši, ist dies aus folgendem zu beweisen: ein bedeutender Mann sagt etwas, und dasselbe wurde auch Moše am Sinaj überliefert. – Vielleicht wie ein Blinder an die Luke!? – Begründet er es etwa nicht!?
ג א"ר יוחנן מיום שחרב בית המקדש ניטלה נבואה מן הנביאים וניתנה לשוטים ולתינוקות לשוטים מאי היא כי הא דמר בר רב אשי דהוה קאי ברסתקא דמחוזא שמעיה לההוא שוטה דקאמר ריש מתיבתא דמליך במתא מחסיא טביומי חתים אמר מאן חתים טביומי ברבנן אנא שמע מינה לדידי קיימא לי שעתא קם אתא אדאתא אימנו רבנן לאותביה לרב אחא מדפתי ברישא
3 R. Joḥanan sagte: Seit dem Tage, an dem der Tempel zerstört worden ist, ist die Prophetie den Propheten genommen und Narren und Kindern gegeben worden. – Welches Bewenden hat es damit? Wie in folgendem Falle. Einst stand Mar b. R. Aši auf dem Vorplatze von Maḥoza und hörte einen Narren sagen: Der jetzt in Matha Meḥasja zum Schuloberhaupte eingesetzt wird, unterzeichnet sich Ṭabjomi. Da sprach er: Der sich unter den Rabbanan Ṭabjomi unterzeichnet, bin ich; es scheint also, daß mir die Zeit günstig ist. Da machte er sich auf und ging dahin. Während er hinging, stimmten die Rabbanan gerade ab, R. Aḥa aus Diphte zum Oberhaupte einzusetzen,
ד כיון דשמעי דאתא שדור זוגא דרבנן לגביה לאימלוכי ביה עכביה הדר שדור זוגא דרבנן אחרינא עכביה גביה עד דמלו בי עשרה כיון דמלו בי עשרה פתח הוא ותנא ודרש לפי שאין פותחין בכלה פחות מעשרה
4 und als sie hörten, daß jener kommt, sandten sie ein Gelehrtenpaar zu ihm, um sich mit ihm zu beraten; er aber hielt sie zurück. Hierauf sandten sie zu ihm ein anderes Gelehrtenpaar, und er hielt auch dieses bei sich zurück, bis sie ihrer zehn waren. Als zehn anwesend waren, begann er und hielt vor ihnen einen Vortrag. Man eröffnet nämlich keinen Vortrag, wenn nicht wenigstens zehn Personen anwesend sind.
ה קרי רב אחא אנפשיה כל המריעין לו לא במהרה מטיבין לו וכל המטיבין לו לא במהרה מריעין לו
5 Hierauf las R. Aḥa über sich: Wem es schlecht geht, dem geht es nicht so schnell gut, und wem es gut geht, dem geht es nicht so schnell schlecht. –
ו תנוקת מאי היא כי הא דבת רב חסדא הוה יתבה בכנפיה דאבוה הוו יתבי קמיה רבא ורמי בר חמא אמר לה מאן מינייהו בעית אמרה ליה תרוייהו אמר רבא ואנא בתרא
6 Welches Bewenden hat es mit den Kindern? – Wie in folgendem Falle. Das Töchterchen R. Ḥisdas saß auf dem Rockschoße ihres Vaters und Raba und Rami b. Ḥama saßen vor ihm. Da fragte er sie: Wen von ihnen willst du haben? Sie erwiderte: Beide. Da sprach Raba: mich nachher.
ז א"ר אבדימי דמן חיפה קודם שיאכל אדם וישתה יש לו שתי לבבות לאחר שאוכל ושותה אין לו אלא לב אחד שנאמר (איוב יא, יב) איש נבוב ילבב וכתיב (שמות כז, ח) נבוב לוחות ומתרגמינן חליל לוחין
7 R. Evdämi aus Hajpha sagte: Bevor ein Mensch gegessen und getrunken hat, hat er zwei Herzen, nachdem er aber gegessen und getrunken hat, hat er nur ein Herz, denn es heißt:<i>ein Mensch, der nabub ist, hat Herzen</i>, und<i>nebub luhoth</i> wird übersetzt: hohle Tafeln.
ח אמר רב הונא בריה דרב יהושע הרגיל ביין אפילו לבו אטום כבתולה יין מפקחו שנאמר (זכריה ט, יז) ותירוש ינובב בתולות:
8 R. Hona sagte im Namen R. Jehošua͑s: Wenn jemand an Wein gewöhnt ist, so öffnet der Wein sein Herz, selbst wenn es jungfräulich verschlossen ist, denn es heißt:<i>der Most macht die Jungfrauen offen</i>.
ט אמר רב הונא בריה דרב יהושע פשיטא חלק בכור וחלק פשוט יהבינן ליה אחד מצרא יבם מאי
9 R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sagte: Selbstverständlich ist es, daß man ihm den Erstgeborenenanteil und den Verhältnisanteil zusammenliegend gibt, wie verhält es sich aber mit einem Schwager?
י אמר אביי היא היא מאי טעמא בכור קרייה רחמנא רבא אמר אמר קרא (דברים כה, ו) והיה הבכור הוייתו כבכור ואין חלוקתו כבכור
10 Abajje erwiderte: Es ist dasselbe, denn auch ihn nennt der Allbarmherzige einen Erstgeborenen. Raba erwiderte: Die Schrift sagt:<i>es soll der Erstgeborene</i>, er gleicht dem Erstgeborenen, nicht aber gleicht die Teilung der des Erstgeborenen.
יא ההוא דזבן ארעא אמצרא דבי נשיה כי קא פלגו אמר להו פליגו לי אמצראי אמר רבה כגון זה כופין על מדת סדום
11 Einst kaufte jemand Ackerland an der Grenze seiner Schwiegereltern, und als sie später teilen sollten, sprach er: Gebt mir meinen Anteil an meiner Grenze. Da entschied Rabba: In einem solchen Falle übt man einen Zwang aus gegen sedomitische Art.
יב מתקיף לה רב יוסף אמרי ליה אחי מעלינן ליה עלויא כי נכסי דבי בר מריון והלכתא כרב יוסף
12 R. Joseph wandte ein: Die anderen können ja sagen: Wir berechnen es ihm mit einem hohen Preise, gleich dem der Güter des Bar Marjon!? Die Halakha ist wie R. Joseph.
יג תרי ארעתא אתרי נגרי אמר רבה כגון זה כופין על מדת סדום מתקיף לה רב יוסף זמנין דהאי מדויל והאי לא מדויל והלכתא כרב יוסף
13 In dem Falle, wenn zwei Grundstücke sich an zwei Gräben befinden, sagte Rabba, übe man Zwang aus gegen sedomitische Art. R. Joseph wandte ein: Es kann ja vorkommen, daß der eine austrocknet und der andere nicht!? Die Halakha ist wie R. Joseph.
יד תרתי אחד נגרא א"ר יוסף כגון זה כופין על מדת סדום מתקיף לה אביי מצי אמר בעינא דאפיש אריסי והלכתא כרב יוסף אפושי לאו מילתא היא
14 Wenn zwei sich an einem Graben befinden, so übe man, wie R. Joseph sagte, Zwang aus gegen sedomitische Art. Abajje wandte ein: Der andere kann ja sagen, er wünsche, daß es mehr Pächter sind!? Die Halakha ist aber wie R. Joseph, denn mit der Vermehrung [der Pächter] ist es nichts.